Aufräumaktion: Der Mythos des Säure-Basen-Haushalts (Teil 2) - Juvalis Versandapotheke | Welt der Gesundheit

Aufräumaktion: Der Mythos des Säure-Basen-Haushalts (Teil 2)

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Es ist immens wichtig, dass der Säure-Basen Haushalt im Gleichgewicht ist. Der menschliche Körper hat ein paar sehr ausgeklügelte Mechanismen, die das bewerkstelligen. Das ist auch gut so, denn wenn wir ganz genau wissen müssten, wie viele H+ und OH- wir da zu uns nehmen und wo das Gleichgewicht liegt, wäre die Menschheit über Adam und Eva niemals hinausgekommen.

Wie wird der pH-Wert konstant gehalten?

Diese ausgeklügelten Mechanismen nennt man Puffersysteme. „Puffer“ haben zwei Teile, mit denen sie den Haushalt regulieren können. Sie haben einen  H+ - aufnehmenden (Pufferbase) und einen OH- -abgebenden Teil (Puffersäure). Es gibt verschiedene Arten von Puffersystemen, die entweder im Extrazellulärraum oder direkt in der Zelle wirken, wo die Säuren und Basen entstehen. Der wichtigste ist der Hydrogencarbonatpuffer.

Das Hydrogencarbonat – Puffersystem

Hydrogencarbonat (Bicarbonat) ist HCO3- und kann die sauren Protonen (H+) aus den Zellen binden. Dabei entsteht praktischerweise Kohlensäure (H2CO3), die in Wasser und CO2 zerfällt.  Dieser Puffer ist deshalb so wichtig, weil Wasser gebraucht und CO2 einfach ausgeatmet werden kann. Und wenn zu viel Hydrogencarbonat vorhanden ist, dann kann es  über die Niere ausgeschieden werden, von wo es nach Bedarf sogar zurückgewonnen werden kann. Wirklich praktisch.

Kann der Körper dann überhaupt übersäuern?

Jein. Das Gleichgewicht zwischen Säureproduktion und Ausscheidung wird über die Puffersysteme sehr gut reguliert. Das trifft zumindest auf den gesunden Menschen zu. Es gibt jedoch bestimmte Erkrankungen, die die Wirkung der Puffersysteme beeinträchtigen können.  Dann kann es unter Umständen zu einer Azidose (Übersäuerung) oder auch zu einer Alkalose (Untersäuerung) kommen.  Jedoch kann meistens durch die vermehrte Ausscheidung von H+ oder HCO3-  über die Niere Schlimmeres verhindert werden. Man unterscheidet zwischen respiratorischen (atmungsbedingten) und metabolischen (stoffwechselbedingten) Störungen des Säure-Basen-Haushaltes.

Welche Krankheiten stören den Säure-Basen-Haushalt?

Bei einer respiratorischen Azidose wird nicht genügend CO2 ausgeatmet und der Blutspiegel steigt. Ursächlich kann alles sein, was die unbeschwerte Atmung beeinträchtigt, also Lungenerkrankungen oder sogar Rippenbrüche. Umgekehrt kann es zu einer respiratorischen Alkalose kommen, wenn zu viel CO2 ausgeatmet wird. Das kann bei Hyperventilation, bei psychischen oder nervösen Störungen und auch bei Lungenentzündungen der Fall sein. Die metabolische Azidose hingegen zeichnet sich durch eine zu geringe HCO3-  - Konzentration im Blut mit teilweise erhöhten Mengen bestimmter Säuren aus. Ursache dafür können Diabetes mellitus, starke körperliche Anstrengung (Lactatacidose), Nierenfunktionsstörungen, schwere Durchfälle oder längeres Hungern (Ketoazidose), z.B. auch beim Fasten, sein.  Der umgekehrten Fall, also ein zu hoher HCO3-  - Blutspiegel,  heißt metabolische Alkalose. Gründe hierfür können Erbrechen, Einnahme von harntreibenden oder Magensäure regulierenden Mitteln sowie Kaliummangel sein.

Welchen Einfluss hat die Ernährung auf den Säure-Basen-Haushalt?

Das ist nun die zentrale Frage, über die viel Unsinn publiziert wird. Was wir essen hat zwar definitiv einen Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt, was mittels eines pH –Wert Tests im Urin auch feststellbar ist. Aber: Das bedeutet nur, dass unsere Puffersysteme gut funktionieren, denn  das, was zu viel ist, wird einfach über den Harn ausgeschieden.  Der Harn von Vegetariern beispielsweise ist meist eher alkalisch, da die Ernährung mit viel Obst und Gemüse einen Basenüberschuss erzeugt. Bei Menschen die sich mit der üblichen proteinreichen Mischkost ernähren, also auch mit Fleisch, findet man hingegen häufig einen saureren Harn vor.

Fazit: Eine ernährungsbedingte Übersäuerung ist nicht möglich

Manche Menschen meinen, dass ein andauernder Säureüberschuss in der Nahrung den Blut-pH-Wert verschiebt und das Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Rheuma oder Osteoporose  erhöht.  Daran wird noch geforscht, aber der aktuelle Stand der Wissenschaft ist der, dass sich ein gesunder Mensch keine Sorgen machen muss, wenn der Harn sauer oder alkalisch ist. Eine rein ernährungsbedingte Über- oder Untersäuerung ist demnach nicht möglich, denn unsere Puffersysteme  scheinen das locker kompensieren zu können.

 

Hier geht es zum ersten Teil: Aufräumaktion: Der Mythos des Säure-Basen-Haushalts

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